Implied Probability & Buchmacher-Marge: Quoten richtig lesen
Wenn Du Value finden willst, musst Du Quoten in Wahrscheinlichkeiten übersetzen können. Denn eine Quote ist am Ende nur eine Zahl, die sagt: Wie wahrscheinlich hält der Markt ein Ergebnis – plus Aufschlag des Buchmachers. Genau dieser Aufschlag ist die Buchmacher-Marge (auch Overround genannt). Und sie ist der Grund, warum „50/50“ in der Praxis fast nie wirklich 50/50 ist.
Inhaltsverzeichnis
- Implied Probability: Von der Quote zur Wahrscheinlichkeit
- Warum „50/50“ selten wirklich 50/50 ist
- Buchmacher-Marge (Overround): So erkennst du den Aufschlag
- 3-Weg-Märkte: Warum die Marge dort oft stärker spürbar ist
- Was Du aus der Marge praktisch ableiten kannst
- Fazit
- FAQ
- Was dich auch interessieren könnte
Implied Probability: Von der Quote zur Wahrscheinlichkeit
Die implied probability ist die vom Markt „implizierte“ Wahrscheinlichkeit einer Quote. Bei Dezimalquoten ist die Rechnung sehr einfach:
Implied Probability = 1 / Quote
Beispiele:
- Quote 2,00 → 1 / 2,00 = 0,50 → 50 %
- Quote 1,80 → 1 / 1,80 = 0,555… → 55,6 %
- Quote 2,50 → 1 / 2,50 = 0,40 → 40 %
Das ist der erste Schritt: Du verstehst, was die Quote eigentlich aussagt.
Warum „50/50“ selten wirklich 50/50 ist
In einem fairen Markt ohne Marge müssten sich die Wahrscheinlichkeiten aller möglichen Ausgänge zu 100 % aufsummieren. In der Realität liegen sie aber darüber, weil der Buchmacher seine Marge einpreist.
Das bedeutet: Selbst wenn ein Spiel aus Marktsicht „ausgeglichen“ ist, bekommst Du oft nicht 2,00 / 2,00, sondern z. B. 1,91 / 1,91. Beide Quoten wirken fast wie 50/50 – sind es aber nicht.

Buchmacher-Marge (Overround): So erkennst du den Aufschlag
Die Marge misst, wie stark die Summe der implied probabilities über 100 % liegt.
Vorgehen:
- implied probability für jeden Ausgang berechnen
- alle Wahrscheinlichkeiten addieren
- Ergebnis über 100 % = Overround / Marge
Beispiel: 2-Weg-Markt (z. B. Tennis)
Quote A: 1,91 → 1 / 1,91 = 52,36 %
Quote B: 1,91 → 52,36 %
→ Summe: 104,72 %
Das heißt: Der Buchmacher „verkauft“ dir zusammen 104,72 % Wahrscheinlichkeit. Die Differenz zu 100 % ist der eingepreiste Vorteil des Buchmachers.
Faustregel: Je höher der Overround, desto schlechter sind die Quoten für dich.
3-Weg-Märkte: Warum die Marge dort oft stärker spürbar ist
Bei Fußball 1X2 addierst Du die drei implied probabilities. Gerade in 3-Weg-Märkten ist die Marge häufig höher als in 2-Weg-Märkten, weil mehr Ausgänge bepreist werden und der Buchmacher mehr Spielraum hat.
Du musst dafür nichts kompliziert machen: Wenn Du Quoten vergleichen willst, ist der Overround ein schneller Qualitäts-Check.
Was Du aus der Marge praktisch ableiten kannst
- Eine niedrigere Marge bedeutet: Du startest mit einem besseren „Preis“
- Value ist leichter zu finden, wenn der Markt nicht überteuert ist
- Line Shopping lohnt sich besonders, weil Du damit oft direkt Marge einsparst, ohne Dein Risiko zu erhöhen
Value Betting, implied probability und Line Shopping hängen eng zusammen: Du suchst nicht nur gute Tipps, sondern gute Preise.
Beispiel: Wann eine Quote „Value” sein kann
Du siehst Quote 2,10.
Implied probability: 1 / 2,10 = 47,6 %
Wenn Du nach Analyse glaubst, dass die echte Wahrscheinlichkeit eher bei 52 % liegt, dann liegt Value vor. Nicht, weil Du sicher gewinnst, sondern weil der Erwartungswert positiv wird.
Fazit
Implied probability hilft dir, Quoten korrekt zu lesen. Die Buchmacher-Marge erklärt, warum du selten „faire“ Preise bekommst. Wenn du Value finden willst, brauchst du beides: Quoten in Wahrscheinlichkeiten übersetzen und erkennen, wie teuer ein Markt durch den Overround wirklich ist.
FAQ
Nein. Es ist die Marktannahme aus der Quote – inklusive Marge.
Je niedriger, desto besser. Exakte Werte hängen vom Markt ab, aber als Prinzip gilt: weniger Overround = bessere Preise.
Weil du gegen einen eingebauten Nachteil startest. Je höher die Marge, desto schwerer ist es, langfristig im Plus zu landen.