Closing Line Value (CLV): Warum der Schlusskurs ein starker Qualitätsindikator ist
Closing Line Value (CLV) ist ein praktischer Qualitätscheck für Sportwetten. Die Idee ist simpel: Du vergleichst die Quote, zu der Du gesetzt hast, mit der Quote kurz vor Spielbeginn (der „Closing Line“). Wenn Du über viele Wetten hinweg regelmäßig bessere Quoten bekommst als die Closing Line, spricht das dafür, dass Deine Entscheidungen in Summe solide sind – auch dann, wenn kurzfristig mal Ergebnisse gegen Dich laufen.

Was ist die Closing Line?
Die Closing Line ist die Quote, die ein Markt am Ende hat – also kurz vor Spielstart (oder bei manchen Märkten kurz vor „Lock“, z. B. Lineups). Sie ist so etwas wie der „Schlusskurs“: Das Ergebnis vieler Informationen und Anpassungen, die bis zuletzt in den Markt fließen (Verletzungen, Aufstellungen, Wetter, Team-News, Einsatzströme).
Wichtig: Die Closing Line ist nicht „die Wahrheit“. Aber sie ist ein sehr nützlicher Referenzpunkt, weil sie typischerweise der effizienteste Preis ist, den der Markt am Ende hergibt.
Was bedeutet CLV konkret?
Du hast positives CLV, wenn Deine Quote besser ist als die Closing Line.
Beispiel (gleicher Markt, andere Zeitpunkte):
- Du setzt: Over 2,5 Tore @ 1,95
- Closing Line: Over 2,5 Tore @ 1,85
Du hast hier positives CLV, weil Du den besseren Preis bekommen hast. Umgekehrt gilt: Wenn Du oft schlechter setzt als die Closing Line, ist das ein Warnsignal – selbst wenn Du kurzfristig gerade im Plus bist.

Warum CLV wichtiger sein kann als kurzfristige Ergebnisse
Einzelne Wetten sind stark von Varianz geprägt. Du kannst gute Entscheidungen treffen und trotzdem verlieren – und umgekehrt. CLV hilft Dir, weniger auf die letzten Resultate zu reagieren und mehr auf die Frage zu schauen:
Bekomme ich langfristig gute Preise?
Wenn Du regelmäßig besser als die Closing Line bist, ist das ein Hinweis, dass Du Märkte gut einschätzt oder sehr sauber line-shoppst und Timingvorteile nutzt. Das ist genau der Punkt, warum CLV oft als „Entscheidungs-Qualität“ verstanden wird.
CLV messen: die zwei einfachen Varianten
1) CLV als Quoten-Differenz (sehr leicht verständlich)
Du trackst einfach:
CLV (Quote) = Deine Quote − Closing Quote
Beispiel: 1,95 − 1,85 = +0,10
Das ist simpel, aber nicht perfekt vergleichbar über sehr unterschiedliche Quotenbereiche.
2) CLV als Prozent (besser vergleichbar)
Hier rechnest Du über die implizite Wahrscheinlichkeit:
- Implizite Wkt = 1 / Quote
- CLV% (vereinfacht) = (Closing Wkt − Deine Wkt)
Beispiel:
- Deine Quote 1,95 → 1/1,95 = 51,28 %
- Closing 1,85 → 1/1,85 = 54,05 %
Differenz: 54,05 % − 51,28 % = +2,77 Prozentpunkte
Das zeigt: Du hast einen spürbar besseren Preis bekommen als das, was der Markt am Ende verlangt hat. Die Umrechnung über Wahrscheinlichkeiten basiert auf demselben Prinzip wie bei Implied Probability & Buchmacher-Marge.
Wie Du CLV sauber trackst
Du brauchst keine komplizierten Tools. Ein simples Sheet reicht. Wichtig ist, dass Du konsequent dieselben Felder erfasst:
Empfohlene Spalten:
- Datum / Event
- Markt
- Deine Quote
- Closing Quote
| Datum | Event | Markt | Deine Quote | Closing Quote | CLV (Quote) | CLV (pp) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2026-02-02 | Arsenal vs. Chelsea | Over 2,5 Tore | 1,90 | 1,85 | +0,05 | +1,42 |
| 2026-02-03 | Bayern vs. Dortmund | BTTS: Ja | 1,84 | 1,88 | −0,04 | −1,16 |
| 2026-02-04 | Inter vs. Milan | Asian Handicap 0 (DNB) Heim | 2,02 | 1,95 | +0,07 | +1,77 |
Was gutes CLV beeinflusst
Positives CLV kommt oft aus drei Quellen:
- Timing: Du bist früher dran, bevor News/Lineups den Preis bewegen.
- Line Shopping: Du nimmst konsequent den besten Anbieter-Preis.
- Spezialisierung: Du kennst bestimmte Ligen/Märkte besser als der Durchschnitt.
Typische Fehler und Missverständnisse
„CLV ist alles.“
CLV ist ein starker Indikator, aber nicht das einzige Kriterium. In manchen Märkten kann die Closing Line weniger aussagekräftig sein (sehr kleine Märkte, starke Limitierungen, seltene Props).
„Ich hatte negatives CLV, aber gewonnen – also egal.“
Kurzfristig kann das passieren. Langfristig ist dauerhaft negatives CLV eher ein Warnsignal.
„Ich muss immer die beste Quote erwischen.“
Nein. CLV ist kein Perfektionsspiel. Es geht darum, über viele Wetten häufiger richtigzuliegen, nicht jedes Mal.
Fazit
CLV hilft Dir, die Qualität Deiner Entscheidungen zu messen, ohne Dich von kurzen Ups und Downs verrückt machen zu lassen. Wenn Du über viele Wetten hinweg regelmäßig bessere Quoten bekommst als die Closing Line, ist das ein starkes Zeichen dafür, dass Dein Prozess funktioniert – unabhängig davon, wie die letzten drei Tipps gelaufen sind.
FAQ
Je mehr, desto besser. Sinnvoll wird es meistens ab etwa 50–100 Wetten im gleichen Stil (ähnliche Märkte, ähnliches Vorgehen).
Bei sehr kleinen Märkten mit dünnen Quoten, sehr späten/illiquiden Props oder wenn Closing-Quoten schwer zuverlässig zu erfassen sind.
Wenn Du mehrere Sportarten oder sehr unterschiedliche Märkte spielst, ist getrenntes Tracking sinnvoll – sonst vermischt Du unterschiedliche „Marktlogiken“.